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Erotik des Salzes
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Salz und Kunst

Ein Gespräch mit Karin Böhme und Hartmut Renner

zur Ausstellung „Erotik des Salzes“


Salz eilt nun nicht gerade der Ruf voraus, besonders erotisch zu sein. Was ist die Erotik des Salzes?

Der Titel der Ausstellung ist eine Metapher. Ohne Salz und ohne Erotik wäre unser Leben um einiges ärmer.
Salz hat zweifellos eine sinnliche Anziehung, und mit dem Salz ist es wie mit allem im Leben, was geschmackvoll ist und Spaß macht – es kommt auf die Dosierung an. Übertreibt man, dann kippt das Sinnlich-Schöne in die Übersättigung. Und genau in der Schnittstelle zwischen Begehren, Schmerz und Genuss liegt die Spannung. Salz wird seit eh und je auch mit Liebe und Sex ins Spiel gebracht und noch heute sagt man, wenn das Essen übermäßig gesalzen ist, die Köchin oder der Koch sei verliebt. Essen und Verführen haben ja etwas Erotisches. Das erschließt sich spätestens beim Genuss des „Fleur de Sel“. Man nehme ein paar Salzflocken, lasse diese auf der Zunge zergehen. Die knackige Textur provoziert ein Prickeln, das zugleich auf fast aphrodisierende Weise angenehm und zugleich auch gefährlich wirkt. Es ist auf jeden Fall appetitauslösend.

 

Wie würden Sie Ihre Zusammenarbeit beschreiben? Welche Herausforderungen gab es dabei?

Die Tatsache, dass wir eine Frau und ein Mann sind, bringt natürlich den weiblichen und den männlichen Blick, der sich in unseren jeweiligen Arbeiten ausdrückt. Unsere Zusammenarbeit ist eine Art Dialog und der gegenseitige Respekt vor der kreativen Leistung des anderen bildet dazu die Basis.

 

Wie ist die Projektidee entstanden?

Am Anfang stand der Grundgedanke des „Salz-in-Szene-Setzen“. Dabei wollten wir von den Eigenheiten des Salzes ausgehen und es nicht verfremden. Deshalb analysierten wir den kompletten Siedeprozess und richteten dabei unseren Focus nicht nur auf das Endprodukt, sondern auf die Handlungszusammenhänge und vermeintlichen Nebensächlichkeiten. Diese differenzierten Einblicke in die Entdeckungs- und Entstehungsgeschichte der Salzgewinnung, die Verwendung und seine Wirkungsweise eröffneten uns die künstlerischen Ansatzpunkte.

 

Die meisten Menschen kennen Salz nur aus der Küche. Warum ist es bei Ihnen mehr als nur ein simples Küchengewürz?

Streng genommen gilt ja Salz gar nicht als Gewürz, sondern als Mineral. Aber in seiner Anwendung ist es natürlich aus der Küche nicht mehr wegzudenken. Und die Küche selbst ist etwas absolut Elementares, denn an diesem Ort spielen sich Verwandlung und Vergänglichkeit ab, repräsentativ für das generelle Prinzip des Lebens.

Wir haben uns mit dem Thema „Erotik des Salzes“ in die künstlerische Experimentierküche begeben. Und um herauszufinden, wie etwas wird, muss man es ausprobieren. Und schon allein vom Machen her reizte uns dieser Prozess. Mit einem Material ernsthaft und auf eigene Faust umzugehen, machte für uns die künstlerische Arbeit aus.

 

Welche Hürden mussten Sie überhaupt bei der Umsetzung des Projektes überwinden? Welche Herausforderungen gab es? Gab es im Zuge der Realisierung eventuell auch Rückschläge?

Sowohl bei der Entstehung als auch beim Umgang mit Salz durchläuft das Material unterschiedliche Zustände. Der ganze Umgang hat etwas Alchimistisches-Experimentelles. Es gibt dabei schon mal Störungen im Prozess. Wie Salz reagiert, was schließlich passiert, ist nicht akkurat planbar. So entdeckt man neue Dinge, hat eine Option, diese in den Schöpfungsprozess einzubeziehen.

 

Was bedeutet für Sie Salz? Konnten Sie selber eventuell neue Sichtweisen auf das Mineral erlangen?

Wir haben Salz im Laufe des Projektes buchstäblich verinnerlicht. Wir haben gesucht und gefunden, es geschmeckt, gefühlt, in die Luft gewirbelt und in Scheiben geschnitten und in Gold gefasst. Wir haben uns bei der Arbeit mit dem Salz intensiv mit einschlägiger Kunst und Literatur beschäftigt und nicht zuletzt unsere eigene Erfahrung hinterfragt. Salz ist ein faszinierendes Mineral und in seinen Erscheinungsformen wirklich und wahrhaftig schön. Wir nehmen in unseren Arbeiten nicht nur Bezug auf das Endprodukt, sondern auch auf das, was war und wird.

 

Die Ausstellung präsentiert ja eine Dreifach-Symbiose aus Fotografie, Objektkunst und Salz. Haben Sie etwas Ähnliches bisher schon einmal gemacht?

Konzeptionell schon, aber in einer gemeinsamen öffentlichen Ausstellung ist es das bisher erste Mal. Unser Projekt ist eine poetische Ansprache und eine Liebeserklärung an Salz und seine spezifischen Eigenheiten. Wir verformten oder verfälschten das Salz nicht, sondern benutzten seinen Charakter, seine abstrakte, quasi malerische Materialstruktur, und betonten diese künstlerisch. Es entstanden Objekte, die, ins Bild gefasst, einen kleinen Teil der Geschichte des Salzes erzählen und zum Weiterträumen gedacht sind. Das Wort „Salz“ erschließt uns einen jahrtausendealten Schatz an Sagen, Mythen, hat allegorisch-symbolische Bedeutung in allen Weltkulturen. Salz ist ein Sinnkristall.

 

Gab es besondere Herausforderungen für die Models?

Nein, für die Models gab es keine besondere Herausforderung. Im Gegenteil, wir haben uns auch hier bewusst auf die ursprüngliche Modelkultur zurückbesonnen, in der geschichtlich gesehen Models einst die Töchter oder Söhne aus dem sozialen Umfeld der Künstler waren. Auch wir haben unsere Models in unserer Heimatstadt gesucht und gefunden. Sie präsentieren Salz in seiner natürlichen kristallinen Struktur und sind selbst, entgegen den Sehgewohnheiten in Hochglanzmagazinen, nicht High-End-Beauty retuschiert, sondern natürlich schön.

 

Was macht diese Ausstellung so besonders?

Dass Essbares als Material in der Kunst verwendet wird, ist an sich nichts Neues. Das Besondere an unserer Ausstellung ist das sensuelle Moment, das der Museumsbesucher erfährt, wenn er sich auf unsere Reise in die Welt des Salzes einlässt. Getreu Lessings Motto aus „Nathan der Weiße“ „Tretet ein, denn auch hier sind Götter.“ soll die Ausstellung ab dem ersten Schritt durch das Salztor verzaubern, faszinieren und inspirieren.

Fragen: Sebastian Krziwanie

 

 

 

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