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Exponat des Monats

Dienstag, den 24. Februar 2015 18:50

Wachstafel (ca. 1730) und Griffel (Nachbildung)


Die Wachstafel von ca. 1730 und der Griffel (eine Nachbildung) erinnern an eine alte Form der Verschriftlichung und verweisen auf die Rechtsgeschichte zur alten Thalsaline.

Über mehr als 300 Jahre hinweg wurde in Halle an der Saale die Aufteilung des Solgutes (das war die aus den Salzbrunnen geförderte Solemenge) an die einzelnen Pfänner und anspruchsberechtigten Institutionen wie Landesherrschaft, Kirchen und Wohlfahrteinrichtungen auf diesen Wachstafeln notiert. Mindestens einmal jährlich wurde der Status der Anteilsinhaber, bezogen auf die einzelnen Salzbrunnen, überprüft und korrigiert. Anteile am Solgut konnten nicht frei verhandelt werden, der Wechsel war an Bedingungen geknüpft. Der Prozess der Überprüfung wurde zeremoniell begangen und als „Lehntafel halten“ bezeichnet. Die Lehntafeln wurden in dreifacher identischer Ausführung aktuell gehalten und an verschiedenen Orten aufbewahrt. Sie stellten eine Art „Urkunde“ dar und wurden dementsprechend sicher verwahrt.

Größe der Wachstafel: ca. 19 x 37 cm

Material: Holz(-Rahmen); für die Wachsfüllung: gelbes Wachs, Leinöl, gebranntes Roggenbrot und gebrannte Rindsknochen, Hammeltalg, Kienruß (nach einer Beschreibung in der Dreyhaupt-Chronik, 1749/50)

Die ausgestellte Wachstafel ist eine Leihgabe der Salzwirker-Brüderschaft im Thale zu Halle.

Foto: Karin Böhme / HSM

 

 

Weitere Hintergrundinformationen:

Zu den früh genutzten Schriftmedien der Menschheit zählen die Wachstafeln. Mit dem spitzen Ende des meist aus Metall bestehenden Griffels, „stilus“ genannt, wurden Schriftzeichen in die Wachsschicht eingeritzt, mit dem spaten- oder löffelförmigen anderen Ende des Griffels konnte die Wachsschicht zum erneuten Beschreiben glattgestrichen werden. Dies ist zugleich der größte Vorteil gegenüber anderen, teilweise seltenen, teuer herzustellenden oder erst später ge- und erfundenen Materialien wie Papyrus, Pergament oder (Holzfaser-)Papier: Wachstafeln konnten, trotz des teilweise umständlichen Herstellungsprozesses, der insbesondere die Wachsschicht betraf, in leichter Weise mehrmals wiederverwendet werden. Die Wachstafeln wurden in der Antike im Schriftverkehr besonders gern verwendet.

Als Untergrund für eine Wachstafel diente eine ausgehöhlte rechteckige Holzplatte, in deren Aussparung eine sorgfältig hergestellte, meist geschwärzte Wachsmischung eingegossen wurde. Zwei so hergestellte Wachstafeln konnten „zusammengebunden“ werden, entweder mit Scharnieren oder mit Bändern, sodass die Wachsseiten nach innen zeigten und die äußere Holzseiten das Schriftstück schützten. Später wurden auch beidseitig mit Wachsschichten versehene Holzplatten noch dazwischen gebunden, wodurch einerseits mehr Informationen notiert werden konnten, andererseits Umfang und Schwere des Tafelverbundes zunahmen.

Auch im Mittelalter war die Verwendung von Wachstafeln für Aufzeichnungen üblich. Als Besonderheit für Halle an der Saale ist die Verwendung von Wachstafeln in Form eines Lehnverzeichnisses für das Solgut zu nennen. Für die Zeit von 1477 bis 1783 ist die Verwendung dieser Wachstafeln in Halle belegt. Die Wachstafeln wurden mehrmals erneuert (neue Wachsschichten eingegossen) oder gänzlich neu hergestellt (mit neuem Rahmen): u. a. sind 1528, 1656, 1681, 1712, 1715, 1768 als Jahreszahlen solcher Erneuerungen überliefert.

Auf den Tafeln wurden die Aufteilung der Anteile an dem Solgut, welches aus den hallischen Salzbrunnen gefördert wurde, vermerkt – es ist zugleich das Verzeichnis der Pfännerschaft. Neben dem erzbischöflichen Anteil (bis 1680, danach Kurbrandenburg) wurden die Anteile des hallischen Rates, der einzelnen Bürger (nach Alphabet sortiert), die Anteile von Kirchen und Wohlfahrtseinrichtungen, die „Versorgungsschrift“ und unbelehntes Gut notiert. Die Anteile der „Versorgungsschrift“ waren reserviert zur Versorgung von Pfännerwitwen und -Hinterbliebenen, das unbelehnte Gut war reserviert für Leute, bei denen der Rechtsstatus als Pfännerschaftsmitglied offen stand.

Es gab je ein Verzeichnis für den Deutschen Born und den Gutjahrbrunnen, und eines für den Meteritz- und den Hackeborn zusammen (bis 1768). Diese Verzeichnisse wurden in dreifacher identischer Ausführung gehalten. Zwei Verzeichnisse wurden von der Stadt Halle aufbewahrt, im Rathaus und in der Marktkirche, das dritte Verzeichnis befand sich in der Verwahrung der Oberbornmeister der Thalsaline, im 18. Jahrhundert dann im Thalamtshaus.

Ursprünglich zweimal jährlich, wurde ab 1670 einmal jährlich am Dienstag vor dem Sa.-Lucia-Tag (12. Dezember) oder direkt an dem Tag, wenn es ein Dienstag war, „Lehntafel gehalten“. An diesem Tag wurden, mit feierlichem Zeremoniell verbunden, die Lehntafeln aktualisiert: neue Pfänner wurden eingeschrieben, verstorbene oder sonstwie ausgeschiedene Pfänner wurden aus den Verzeichnissen getilgt. Die Eintragungen geschahen nach dem Alphabet und sippenweise, verdeutlicht am Beispiel der Pfänner-Familie Dreyßig 1768: Es mussten alle Mitglieder der Familie im Rathaus vor einer Art Kommission, zusammengesetzt aus den Vertretern der Regierung des Landesherrn, des hallischen Rates und der Verwaltung des Thales mit Salzgraf und Bornmeistern nebst Schreibern, erscheinen, ihre Ansprüche und Anteile belegen, angeben, wer von der Familie neu hinzugekommen oder ausgeschieden war, eine Abgabe entrichten, sodann trug der Bornschreiber die Korrekturen in die Lehntafeln ein.

Die Lehntafeln waren somit als juristisch gültige „Urkunden“ anzusehen, die den jährlichen Stand der Verteilung des Solgutes an die Pfänner festschrieben.

Text: Christian Schwela


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